Der Kultur - und Sozial -Lockdown

Aktualisiert: März 8

mäßig effiziente Breitband-Maßnahmen, was trägt und die unbekannte kulturelle Reise


von Carl Classen | Heilpraktiker

Was ist Kultur ... tragender Puls der Gesellschaft? oder Sahnehäubchen auf der Fettleber der Übersatten? Das kann und darf jeder selbst entscheiden. Was aber sind die Langzeitfolgen des seit Frühjahr 2020 weitgehend durchgängigen Kultur-Lockdowns?


Wirtschaft und Berufsbildung genießen hohe Priorität in den immer wieder neu aufgelegten Corona-Verordnungen. Kunst und Kulturwerden per Nebensatz der Verordnungen, die insofern freilich nur Symptom einer grundlegenden Haltung sind, als Unterhaltung deklariert, in die dritte Reihe gestellt und ausgehungert. Auch für Sozialkontakte außerhalb des Massenbetriebs bemüht man sich wenig um Kreativität. Weitere und andere Folgen, vor allem das beschleunigte Auseinanderdriften von Arm und Reich, rede ich damit nicht klein. Sehr vieles liegt nun an uns, ob wir die Zeichen der Zeit verstehen und entsprechend handeln. Die kulturell verschärfte Situation erinnert derweil an den bekannten Witz mit der Reporter-Frage an Mahatma Gandhi


Kultur trägt Selbstverständlich darf Kultur auch unterhalten. Ich meine nicht Flucht vor innerer Leere, ich meine nicht jene Unterhaltung, die vor Jahrzehnten schon zum medialen Industriezweig wurde. Unterhaltung bedeutet auch Anregung und Bereicherung des inneren Gesprächs wacher und reflektierter Menschen. Gleichwohl ist Unterhaltung nicht das Wesen, sondern nur ein Teilaspekt von Kultur.

Untergründig aber trägt Kultur. Kultur trägt menschliche Gesellschaft, formt auch das Miteinander. Wo Kultur und Miteinander dürftig sind, da sind wir selber dürftig, gehen ziellos auf schwankendem Boden. Vor uns selbst verängstigt, vereinzelt oder im kollektiven Wahn von den nächstbesten Versprechungen gezogen, bauen wir unsere Hütten, Städte und Paläste auf Treibsand. „Cultura” bedeutet derweil Pflege, zuerst eigentlich die Pflege des Ackerbodens, beginnt also bodenständig. Kultur braucht nicht eure Abendroben. Sie braucht keine brillierende Belesenheit, nicht die erlesene Würze eurer Film- und Musikkenntnisse, nicht jene teuren Prestige-Projekte und gestelzten Reden, mit denen ihr euch nur selber feiert. Sie braucht ganze Menschen. Daher brauchen wir zuerst Menschenbildung und erst daraus folgend gute Berufsbildungen, nicht anders herum.

Wir brauchen Kunst- und Kulturschaffende, die wissen, was und wie sie wirken im Lebens- ganzen. Wir brauchen nicht Stars zum Anhimmeln und auch keine Narzissten, sondern Künstler, die unsere Orte und Stadtteile lebendig machen, die als geistiges Ferment der Gesellschaft wirken, bis dass alle unsere inneren Saiten schwingen und wir uns über die Sklaverei der Sachzwänge hinausführen. Daher, und gleich, welche der derzeitigen Regelungen sinnvoll sind und welche nicht: Tut etwas für die Künstler, tut etwas für die Kultur an euren Orten! Und tut auch etwas, um der sozialen Signatur der Angst und Vereinsamung, die dieses Virus mit sich trägt, entgegenzuwirken. Ich weiß, erst das Fressen, sagen Viele. Das ist schnell widerlegt. So erblühte gerade in den Hungerjahren nach dem Zweiten Weltkrieg ein großes Kulturbedürfnis. Europa lag nach 12 Jahren grausamer Anti-Kultur in Trümmern, doch man sammelte für Künstler und lud diese ein. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Und auch das Soziale ist Kultur, nicht nur die schönen Künste. Austausch, Begegnung, Miteinander! Als ganze Menschen und „leibhaftig” präsent! Mehr Zeit hätten wir nun eigentlich, Freundschaften zu pflegen. Gerne auch in kleinem Rahmen. Es muss nicht immer die große Versammlung sein. Aber was soll der lächerliche Hausarrest. Die alles überflutende Virtualität ist kein Ersatz für Begegnungen. Unsere Kinder und Enkel werden an den Spätfolgen, welche die nun auch in den jüngeren Jahrgängen vorangetriebene Digitalisierung von Vorschule und Schule auf die Gehirnentwicklung hat, Spaßgesellschaft? Befürchten die Downlocker bei kulturellen Öffnungen Signale zur zügellosen Spaßgesellschaft, in der alle Ansteckungswege ignoriert werden? Verzicht auf’s Vergnügen als ein Disziplinierungsinstrument? Haha, wie vergnüglich bestrafen wir uns doch selber, Hauptsache die Wirtschaft brummt. Längst wären Konzerte und Theatervorstellungen mit Hygienekonzept möglich, um nur ein Beispiel zu nennen, für Gastronomie gilt das ähnlich. Pauschale Schulschließungen sorgen für verdichtete Ansammlungen an anderer Stelle und antivirale Effekte des abendlichen Hausarrests hat bislang noch keiner belegt. Im Frühjahr 2020 ließ das Bewusstsein der Lage, und nicht etwa der erst später folgende Lockdown den R-Wert knicken. Aber „Maßnahme”, das geht doch nicht mit Lockerdown! Sagte nicht schon die Mama: erst die Arbeit, dann das Spiel. Ein Lotterdown kann doch niemals wirksam sein. Nein, wir brauchen spezifischere, schnelle, zielführende und strategisch durchdachte Vorgehensweisen, statt löchriger Breitband-Kontaktsperren! Aber mit denen hat man das Volk besser im Griff, und immer mehr Menschen rufen selbst nach der Knute. Oder leugnen alles. Der bayrische Holzhammer-Markus hat eine Botschaft, die jeder verstehen kann, pauschalisierende Maßnahmen-Kritiker ebenso. Die Größe der jeweiligen Informationsblase besagt leider nicht viel zum Wahrheitsgehalt. Früher dachte ich, Kultur-Lockdowns gehören eher zur Expertise besessener Kalifats- Prediger. Der Vergleich ist natürlich ungerecht. Aber in Sachen Gesichtsverhüllung5 nähern wir uns, und sei sie manchmal angebracht, schon mal an. Kulturverbote wären Taliban, IS und fundamentalen Schiiten nicht so wichtig, wenn Kultur solchen Kräften, vielleicht ja berechtigt, Angst machen würde. — — — Haben wir also Mut zum inneren Open-Up. Das geht immer und ist schon mal besser als in Depressionen zu fallen.

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Hier geht´s zur Fortsetzung und zum Original Artikel von Carl:


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